Schubert: „EHC kann gerne flirten“

Posted on 1. Januar 2011

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Eishockey DEL 2010-11 Hamburg Freezers Christoph Schubert 02; Foto: Robert M. Frank.

EISHOCKEY – Nach achteinhalb Jahren Ausland kehrt Christoph Schubert wieder nach München zurück. Am 2. Januar spielt der 28-jährige Münchner mit seinem aktuellen Verein, den Hamburg Freezers, in der Olympia-Eishalle gegen den EHC München. Im Exklusiv-Interview mit BLOGpunkt Sport spricht der Ex-NHL-Star über seine Rückkehr in die Heimat, über den EHC und über seine leidenschaftliche Beziehung zur Stadt München.

Nach mehreren Jahren in der nordamerikanischen NHL bist Du in Hamburg angekommen. Gibt es dort guten Leberkäse zu kaufen?

Christoph Schubert: Da habe ich noch nichts gefunden. Es gibt zwar einige Lokale aber einen gescheiten Leberkäse habe ich noch nicht entdeckt.

Du hast mal vor einiger Zeit in einem Interview gesagt, dass Du in Ottawa manchmal auch einen Leberkäse vermisst. In München bekommst Du das auf jeden Fall. Verlockend, mal wieder nach München zu kommen, oder?

Schubert: Natürlich ist das verlockend, aber im Leben muss man auch ab und zu etwas Neues ausprobieren.

Spaß beiseite, warum bist Du nach Hamburg gegangen und zum Beispiel nicht nach München zum EHC?

Schubert: Das hatte mit der Situation zu tun. Ich wollte etwas Längerfristiges haben. Ich war auch mit dem EHC München in Kontakt gestanden. Aber dort wusste man nicht, wie es mit den Finanzen für die nächsten paar Jahre aussieht. Dann habe ich das Angebot in Hamburg schon relativ sicher gehabt. Ich wusste, wenn man dort drei Jahre sein kann, dann ist das aus langfristiger Sicht gut für mich. Man kann sich dann auch auf das Eishockeyspielen besser einstellen.

Von der NHL bist Du über Schweden zurück nach Deutschland gewechselt. Was hat Dich dazu bewogen, den Schritt zurück in Richtung Deutschland zu machen?

Schubert: Ich habe zunächst immer gehofft, dass „drüben“ etwas passiert. Aber ich habe mir ja dann die zwei schweren Verletzungen zugezogen. Das hat mit Sicherheit mit dazu beigetragen, dass das nicht so ganz hingehauen hat. Auf der anderen Seite war in der NHL viel Politik mit dabei. Es sei nicht das entsprechende Geld vorhanden und solche Sachen wurden da dann vorgeschoben. Von daher war es ein bisschen schwierig. Aber ich war ja nicht der Einzige, der keinen Vertrag mehr bekommen hat. Da gab es mehrere, die in der gleichen Situation wie ich waren. Ein bisschen schade eigentlich.

Aber es ist auch schön, wieder in der Heimat zu sein?

Schubert: Natürlich. Ich habe immer gesagt, dass ich meine Karriere irgendwann mal in Deutschland beenden möchte. Es war klar, dass in diese Richtung in absehbarer Zeit etwas passiert. Deswegen bin ich ganz froh, dass das mit Hamburg geklappt hat. Ich habe eine gute Mannschaft mit einer guten Perspektive gefunden, wo ich erfolgreich spielen kann. Ich freue mich auf die Aufgabe.

Aber Du hast noch ein Haus mit Deiner Freundin in Ottawa, oder?

Schubert: Ja, das Haus haben wir immer noch in Ottawa.

Wie ist denn da die Zukunft geplant? In Deutschland oder mehr in Ottawa?

Schubert: Die Zukunft lassen wir uns genau wegen der aktuellen Situation offen. Sonst hätten wir schon eine Entscheidung getroffen. Wir beide mögen sowohl Deutschland als auch Ottawa. Deswegen machen wir uns im Moment keinen großen Stress zu diesem Thema. Wir schauen jetzt einfach mal, was in der Zukunft passiert. Dann können wir immer noch entscheiden, was wir machen.

Hamburg hat schon einmal gegen den EHC München gespielt. Wie hast Du das Duell gegen alte Bekannte erlebt?

Schubert: Ich konnte nicht mitspielen, weil ich ja leider verletzt war. Da habe ich mich schon ein bisschen darüber geärgert. Hätte ich mitgespielt, wäre es schon ein komisches Gefühl gewesen. Ich kenne beim EHC ja fast alle, weil ich im Sommer in München oft mittrainiere. Das wäre schon eine ganz witzige Partie geworden. Aber wir sind am 2. Januar in München und da freue ich mich schon echt drauf. Da wird das erste Spiel des Jahres für mich, und das in München. Besser geht es eigentlich gar nicht.

Aus tabellarischer Sicht ist der EHC der Favorit. Wie siehst Du das?

Schubert: Wir sind auch wieder stark dabei, deswegen kann man das nicht so sagen. Hut ab, was der EHC in dieser Saison bisher gezeigt hat. Ich wünsche ihnen auch, dass sie in die Playoffs kommen. Vom Blatt Papier her sind sie vielleicht der Favorit. Aber ich werde alles dafür tun, dass sie uns nicht schlagen.

Es ist es ein besonderes Spiel für Dich in Deiner alten Heimat. Auf was freust Du Dich speziell?

Schubert: Ich freue mich auf die Halle und die zahlreichen Fans, die mich über die ganzen Jahre gut unterstützt haben. Ich kenne in München fast alle. Es werden sehr viele Freunde und auch die Familie da sein. Ich freue mich schon riesig drauf.

EHC-Manager Christian Winkler hat einst über Dich gesagt, dass es wie bei einer Freundin sei, die man noch nicht bekommen kann“. Wie siehst Du das denn als „Freundin“? Findest Du den EHC überhaupt attraktiv?

Schubert: Ja klar. Ich bin in München aufgewachsen und habe dort meine Eishockey-Karriere begonnen und oft trainiert. Ich würde niemals sagen, dass es generell ausgeschlossen ist, dass ich irgendwann mal wieder in München spielen werde. Man kann ja immer gerne mal flirten, so ist es ja nicht.

Wie siehst Du die aktuelle Entwicklung beim EHC?

Schubert: Der EHC hat über die letzten Jahre gute Arbeit geleistet. Hut ab, was dort geleistet wurde. Ich bin sehr, sehr positiv überrascht. Ich wünsche dem EHC weiterhin alles Gute, weil sie es sich verdient haben. Sie können mit ihren Spielern mit jedem DEL-Team mithalten und sind immer für eine Überraschung gut. Ich hoffe, dass es sportlich dort auch so weiter geht.

Kann Spitzen-Eishockey in der Fußball-Stadt München überhaupt gut gehen? Die Vergangenheit hat keine guten Argumente dafür gebracht.

Schubert: Es ist halt schwer in München. Aber mit den ganzen eingefleischten Eishockey-Fans hat man eine super Fangemeinschaft. Das haben ja auch die Erfolge in der zweiten Liga sowie der Aufstieg in der letzten Saison gezeigt. Es ist immer besser geworden. Ich glaube, dass Eishockey in der Stadt jetzt auch wirklich angenommen wird. Es kommen mehr Fans und Medien ins Stadion. Aber es ist nicht einfach in einer Fußball-Stadt, die den FC Bayern, den TSV 1860 und die SpVgg Unterhaching hat, auch noch Eishockey anzubieten. Man sieht aber, dass das Interesse steigt und jetzt ab und zu auch Prominente wie Bayern-Spieler Bastian Schweinsteiger oder Lothar Matthäus mal beim EHC zuschauen.

In Deiner „Sommerpause“ bist Du traditionell in München. Ist es für Dich angenehm, nicht der Super-Star zu sein und unerkannt entspannen zu können?

Schubert: Das war bei mir schon immer so. Ich bin Münchner, ich bin dort aufgewachsen und kenne die Leute dort. München ist im Sommer für mich zum Relaxen ganz wichtig. In die Heimat zurückzukommen und mit Golf, Fußball oder Eishockey in einer familiären Umgebung einfach mal abzuschalten. Das ist ganz wichtig.

Was gehört für Dich regelmäßig zu Deinem München-Aufenthalt?

Schubert: Die Leopoldstraße, der englische Garten natürlich. Aber auch Besuche meiner Eltern. Oma und Opa sowie der Verwandtschaft in Straubing gehören da dazu.

Ich glaube, dass Du in München auch gelegentlich Fußball spielst. Ist dieses Jahr wieder ein Kleinfeld-Kick geplant?

Schubert: Ich habe in München ein paar ehemalige Eishockey-Mitspieler gehabt, die zusammen Fußball gespielt haben. Aber das hat im letzten Jahr mit der WM dann nicht mehr ganz so gut hingehauen. Diesen Sommer werden wir es wir wieder versuchen. Ich hoffe, dass wir dann wieder ein bisschen Kicken können.

Dann vielleicht im Englischen Garten? Da gibt es dann auch einen Leberkäse.

Schubert: Ein verlockendes Angebot, das gebe ich zu.