Rechtsaußen anstatt Torwart

Posted on 31. Juli 2010

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Weil die Bayern-Profis mehrere Spieler der zweiten Mannschaft benötigten, mussten die Amateure des FC Bayern München gegen den SV Wacker Burghausen ersatzgeschwächt auflaufen und stark improvisieren. Mit nur einem Feldspieler sowie einem Ersatztorhüter auf der Bank kam es beim 1:1 (0:0) vor 1.555 Zuschauern im Grünwalder Stadion so, wie es kommen musste.

Die Erste spielt auswärts – die zweite Mannschaft muss genügend Spieler für das parallel stattfindende Heimspiel zusammenkratzen. So geht es nicht nur vielen Vereinen des unteren Amateurbereiches, sondern neuerdings auch den Amateuren des FC Bayern München.

Zum Beflocken in die Säbener Straße

Am zweiten Drittliga-Spieltag gegen Burghausen musste im nur 13 Mann starken Aufgebot sogar der Ersatztorhüter der kleinen Bayern, Ferdinand Oswald, als Feldspieler herhalten. Nachdem Saer Sene (10.) und kurz darauf der von den Profis abgestellte Daniel van Buyten (17.) verletzungsbedingt den Platz verlassen mussten, blieb Bayern-Trainer Hermann Gerland, auch gar nichts anderes mehr übrig. „Wenn ich reinkomme, mache ich ein Tor“, hatte Oswald vorab schon mit seinen Mannschaftskollegen gewitzelt.

Hinten, vorne, rechts und links. Multitalent Oswald spielt überall. Foto: Robert M. Frank

Hinten, vorne, rechts und links. Multitalent Oswald spielt überall. Foto: Robert M. Frank

Dazu reichte es zwar nicht ganz. Doch nachdem die Betreuer extra noch einmal zur Säbener Straße hinüberfuhren und für Oswald eigens ein Trikot mit der Nummer 33 beflockten, war es dann in der 31. Minute soweit mit der guten Vorstellung des 19–Jährigen. „Der Trainer hat gesagt, ich soll rechts außen spielen“, beschrieb Oswald seinen Job. Und dort reihte er sich gleich mit einem erfolgreichen Dribbling unter Beifall der Zuschauer im Bayern-Amateure-Block ein.

Beide Joker glänzen

Bemerkenswert war, dass der Torwart sich nicht versteckte und Pässe lautstärker forderte als manch ein Mitspieler. In der zweiten Halbzeit leitete Oswald mit einem schönen Steilpass sogar eine gefährliche Torszene ein (73.). Seine Mannschaftskollegen banden den Interims-Flügelflitzer in den Spielaufbau voll mit ein. „Die Mitspieler haben mir geholfen“, sagte Oswald, der zuletzt vor acht Jahren in der Jugend beim TSV Hohenpeißenberg im Feld kickte.

Seine Teamkollegen machten hingegen zunächst keine sonderlich gute Figur. In der ersten Halbzeit sprang für die kleinen Bayern bis auf zwei Freistöße von Deniz Yilmaz (38.) und David Alaba (45.) nur wenig heraus. Erst in der zweiten Halbzeit wurde die Gerland-Truppe stärker. Nach dem Tor zum 1:0 des zweiten Wechselspielers Thomas Kurz (56.), verpassten es Yilmaz (60.), Christoph Knasmüller (64./68.) und Nicolas Jüllich (78.) zu erhöhen.

Oswald zaubert – Riedmüller patzt

Im Verlauf des zweiten Durchgangs merkte man Oswald dann an, dass ihm die Kondition eines Feldspielers fehlte. Angriffe über seine Seite trugen die Burhausener immer öfter gefährlich vor. Oswald wurde von den Trainern an die Seitenlinie gebeten. „Wenn ich keine Luft habe, dann soll ich nicht vorne stehen bleiben“, erklärte Oswald die Anweisungen von der Trainerbank.

Er bließ mehrmals kurz die Backen auf und kämpfte bis zum Schluss. „Ich habe versucht, Einfluss zu nehmen“, sagte Oswald. Und selbst wenn das nicht immer gelang, war es ein guter Tag für ihn. „Das war heute etwas Außergewöhnliches“, gab der nominell fünfte Torhüter des deutschen Rekordmeisters. Zumal in der Schlussminute sein Konkurrent um den Platz zwischen den Pfosten, Maximilian Riedmüller, patzte und sich den Ball nach einer Hereingabe von rechts selbst ins Tor zum 1:1-Endstand legte.

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